„Nicht nur der Islam, Religionen sind grundsätzlich schlecht“

14171996_546069042268953_1412554258_n„Mein Schwanz ist prall, aber nicht halal, wenn ich dich knall!“ hieß einer der provokantesten Titel aus seinem neuen Album. Der schwule Popsänger Mave O’Rick hat damit ganz bewusst provoziert. Und zwar in einem Bereich, wo sich Menschen nach wie vor besonders leicht provozieren lassen, dem der Religion. Einige Monate nach der Erstveröffentlichung des Songs haben wir mit ihm über die Reaktionen gesprochen.

Du hast vor einigen Monaten mit dem Song HALAL eine extreme Provokation gestartet. Wie waren die Reaktionen darauf?

Die Reaktionen sind bei einer polarisierenden Darstellung natürlich geteilt. Das war mir aber im Vorfeld bewusst. Ich verstehe mich selber als theophob und halte ganz pauschal Religionen für etwas Schlechtes. Natürlich fanden gläubige Muslime, aber auch gläubige Christen, diesen Song und das Video so gar nicht witzig. Da ich Religionen als nichtig empfinde, und somit auch religiöse Gefühle für Hirngespinste halte, hatte und habe ich nie das Gefühl etwas Falsches gesagt oder dargestellt zu haben. Es ist natürlich eine klare Provokation. Konkrete Drohungen habe ich im Rahmen der Veröffentlichung nicht erhalten, aber die Argumente waren halt letztlich auf der Basis von religiösen Argumenten, womit man bei mir das Gegenteil erreicht.

Keine konkreten Drohungen? Eigentlich schade oder?

LOL, naja, schade finde ich es nicht unbedingt. Ich hoffe ja doch noch in einer Gesellschaft zu leben, in der ich meine Meinung äußern kann, künstlerisch oder ganz konkret, ohne direkt bedroht zu werden. „Ich solle mich erhängen“ ist ja keine bewusste Drohung, aber das las ich im Rahmen der Veröffentlichung eines neuen Songs namens „Jeder bete für sich allein“. Ein Song als allgemeine Religionskritik, den übrigens nicht ich geschrieben habe, sondern Heinz Rudolf Kunze. Hier fiel den Kritikern bis dato nicht viel mehr ein, außer dass Allah eben sehr groß ist. Ich möchte aber auch dazusagen, dass ein Großteil der „Liker“ des Songs, die ihn nicht kommentieren, Muslime zu sein scheinen.

Wie kommst Du darauf?

Naja, ich sehe ja die Namen, die den Facebook Post dazu liken, und die klingend zum Großteil eher nach Usern mit muslimischen Kulturhintergrund. Es ist einfach interessant zu sehen, dass es vor allem die muslimische Welt interessiert, wenn es zum Thema Religionskritik kommt, jetzt erst Mal egal auf welcher Seite diese dann stehen. Das Thema konzentriert sich derzeit ziemlich genau auf den Islam und die muslimische Welt.

Von daher hast Du mit deinem ganzen neuen Album eines der wichtigsten derzeitigen Themen aufgegriffen. Das ist prinzipiell genial, aber wie ist es mit dem Interesse? Geht es der Popmusik nicht so ähnlich wie den Schlagersängern … Gute Laune, die ja nun wirklich beim Thema Religion nicht so recht aufkommen will, ist gefragt?

Dafür muss man sich selber die Frage stellen: Für wen mache ich das? Und da kann ich nur für mich sprechen. Ich mache das einzig und allein für mich. Kunst oder Musik ist mein Ventil sich von Themen frei zu machen, sie abzulegen und damit „fertig“ zu werden. Ich mache das nicht um meinungsbildend zu sein oder eine möglichst große Menschenmasse von meinen Ideen zu überzeugen. Mit der Ambition hätte ich dann eher Politiker, Erzieher oder Lehrer werden sollen. Nein, das ist für mich. Das Interesse „der anderen“ ist zweitrangig. Würde es mir darum gehen, müsste ich wohl tatsächlich sowohl thematisch wie auch musikalisch gefälliger sein. Aber das ist auch nur ein Puzzleteil meiner Arbeit, morgen mache ich vielleicht aus einer Laune heraus wirklich Schlager, weil ich mich danach fühle. Wer weiß. Heute regt mich die Welt, die erneute gesellschaftliche Relevanz von religiösen Themen zu sehr auf, als dass ich daran vorbeikäme, dies zu verwursteln.

Abschlussfrage: Ehrliche Antwort! Kannst Du Dir nicht vorstellen, dass gerade in der gegenwärtigen Situation des islamistischen Terrors die Religion für Christen, Buddhisten und Juden wieder zu einer wichtigen, vielleicht einzigen Stütze wird? Und sie dann auch Deine herbe Kritik an Religion überhaupt als Verletzung ihrer religiösen Gefühle empfinden?

Natürlich kann ich mir das vorstellen und ich registriere das vereinzelt ja auch bereits. Ich hielte das halt nur für fatal, weil ich Religion per se für ein Hirngespinst halte. Ich möchte eine Welt, die sich als Werte die Menschenrechte auf die Fahne schreibt, die sich rechtlich auf Verfassungen stützt, die sich um weitere Aufklärung bemüht, in der Religion nicht verboten ist, aber diese bitte in den eigenen 4 Wänden bleibt. Die Frage, ob ich religiöse Gefühle verletzen könnte, stellt sich mir nicht. Vielmehr empfinde ich es als beleidigend mir und meinem Verstand gegenüber, darüber nachdenken zu müssen, ob es so etwas wie religiöse Gefühle überhaupt gibt!

Das Album „NEO INTENTION“ mit der erweiterten EP „RELIGION IS THE KILLER“ gibt es als kostenfreien Download auf Maves Webseite www.maveorick.com

Das Video „HALAL“ gibt es hier zu sehen:


Der Live Auftritt mit Niqab des Songs „JEDER BETE FÜR SICH ALLEIN“ findet man hier:

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Ein Gedanke zu “„Nicht nur der Islam, Religionen sind grundsätzlich schlecht“

  1. Mave O’Rick hat keine Hasskommentare oder gar Morddrohungen erhalten, weil er nicht hasst und keine Hassbotschaften aussendet. und trotzdem authentisch ist. Ein phantastischer Mensch! Und dann im Song „Jeder bete für sich allein“ noch: in der Grammatik eins plus….ohne mühe und anstrengung… einfach so aus dem Handgelenk geschüttelt….ein Mensch, der etwas will von sich und den anderen, weil er für alle etwas Gutes schaffen will. Der Imperativ in der dritten Person ist ja auch eher ein gefühlter Konjunktiv: da fühlt sich Keiner bevormundet, sprachlich – und inhaltlich Es ist eher eine Offerte, die er präsentiert. Dabei geht es um etwas Grundsätzliches: wie verhält sich Artikel 4 Grundgesetz :“Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“, zu den anderen Grundrechten. Die Lösung des Sängers: Die Glaubensfreiheit wird gewährleistet – in den eigen 4 Wänden.
    Dem kann ich mich vollumfänglich anschließen.

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