Homophobie? Auftritt von schwulem DJ abgesagt

Dem aus Hamburg stammenden DJ Steve Es soll ein DJ Booking in der Stadt Peine aus homophoben Gründen abgesagt worden sein. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Kannst Du für unsere Leser ganz kurz den Sachverhalt zusammen fassen?

Die Veranstalterin aus Peine hat mir einen Tag vor der Veranstaltung am Telefon mitgeteilt, dass mein Auftritt im Rahmen meiner „Most Wanted“ Tour“, um mein Album „Most Wanted“ zu promoten, nicht statt finden wird. Die Bewohner aus Peine würden keinen schwulen Mann in ihrer Location dulden. Für mich eine neue Erfahrung. Homophobie ist nach wie vor immer noch ein aktuelles Thema. Schwule und Lesben heiraten nicht, sondern verpartnern sich. In vielen Städten und Dörfern werden Homosexuelle ausgegrenzt oder sogar von ihren Familien verstoßen. In den Großstädten sind die Leute meist toleranter. Was ist da los in Peine? Leben die Einwohner in Peine etwa noch im Mittelalter? Oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter?

Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit?

Meine gute Freundin Misses Marina, die auch aus Peine kommt, wollte der Veranstalterin einen gefallen tun, weil sie ihr so leid getan hat. Die Veranstalterin beklagte sich, dass nie was in ihrer Location schlecht besucht sei und sie zu wenig Umsatz macht. Marina rief mich an. Ich meinte: „Klar helfen wir ihr“. Ich habe ihr noch einen fairen Preis gemacht und wir haben am Telefon bereits alles geplant und besprochen. Die Veranstalterin war begeistert von der Idee. Aber nach der großen Euphorie wurde es nach und nach immer ruhiger. Ich war viel unterwegs und wunderte mich nur warum es keine Promo gab.

Und dann kam aus heiterem Himmel die Absage

Die Veranstalterin hat mich ein Tag vor der besagten Veranstaltung heulend angerufen. Sie bat mehrmals um Entschuldigung. Sie meinte sie kann nichts machen. Die Einwohner aus Peine weigern sich, ihre Location zu besuchen, wenn ein schwuler DJ auflegt. „So einen wie dich wollen die Leute hier nicht“, meinte sie eiskalt zu mir. Ich war natürlich wütend und habe meine Wut bei Facebook ausgelassen und den Leuten mitgeteilt, dass ich aufgrund von Homophobie nicht in Peine auftreten darf.

Ist das nicht ein ganz normaler Vorgang, dass einem Künstler vorher abgesagt wird? Das ist doch ein Privatunternehmen und wir leben in einer freien Marktwirtschaft.

Nein wir haben im April 2016 einen Vertrag abgeschlossen, der besagt, dass im Fall das der Veranstalter den Vertrag aus irgendeinem Grund kündigen möchte, die getätigte Anzahlung verfällt. Erfolgt die Absage 4 Wochen oder weniger vor der Veranstaltung, so wird die komplette Gage fällig. Alle Absagen müssen schriftlich erfolgen. Leider hat sich die Veranstalterin von Anfang an nicht an den Vertrag gehalten. Ich habe auch keine Vorauszahlung, wie vereinbart erhalten, geschweige denn meine komplette Gage.

Was geschah dann?

Es gab einen riesigen Shitstorm auf meiner Facebook-Seite. Einige schrieben unter meine Bilder z.B. „Du Schwuchtel Gruß aus Peine“. Dann haben sich viele Einwohner gemeldet und meinten, sie hätten gar nicht gewusst, dass überhaupt ein Festival am See statt finden sollte und beteuerten nichts gegen Homosexuelle zu haben. Es gab viele Diskussionen und Aufruhr bei Facebook.

Kommunikation ist ja immer besser als Konfrontation, auch wenn man gegen Homophobie arbeitet. War da keine friedlichere Lösung möglich?

Die Veranstalterin hätte sich ihre Grenzen ruhig eingestehen können und hatte wochenlang Zeit, die Veranstaltung rechtzeitig abzusagen. Dann wäre auch von meiner Seite aus gar nichts los gewesen. Dann hätte sie mich nicht mal bezahlen müssen. Aber mich so lange im Dunkeln stehen zu lassen und ein Tag vor der Veranstaltung mir mit so einer Begründung abzusagen, geht nicht. Obwohl sie mir am Telefon gesagt hat, dass sie mir die Gage heute noch überweist und mit mir im Kontakt bleiben will ist bisher nichts passiert. Ich werde meine Gage einklagen.

Was hast du aus diesen Vorfall gelernt?

Ich bin so entsetzt, dass ich mir fest vorgenommen habe mehr für die Rechte der Homosexuellen einzustehen. Es muss viel mehr passieren. Wir sind längst noch nicht dort wo wir hin wollen. So etwas wie Homophobie sollte es im Jahr 2016 nicht geben. Wir können alle cool miteinander Leben und nur weil ich Männer liebe, mache ich keinen schlechteren Job als heterosexuelle Männer. Zum zweiten werde ich jetzt immer genau überprüfen, mit wem ich arbeite. Ich muss einfach lernen nicht immer jeden sofort zu vertrauen. Es gibt einfach zu viele schwarze Schafe in dem Business.

Wie geht es in Zukunft weiter mit dir?

Neben Bookings deutschlandweit, bin ich mittlerweile regelmäßig im „Halo“ auf der großen Freiheit in Hamburg zu hören und bald erscheint eine Remix Version von meinem Album „Most Wanted“. Misses Marina war so entsetzt darüber, dass sie nun ein Event in ihrem Mode Geschäft „Kaleidoskop“in Peine plant. Natürlich werde ich dann vor Ort sein. Sie will für mehr Vielfalt in ihrer Heimat sorgen. Natürlich werde ich sie dabei unterstützen. Viele Leute aus Peine haben mir aber auch schon geschrieben, dass sie den Vorfall sehr bedauern und hoffen mich in Zukunft in Peine begrüßen zu dürfen.

Mehr Infos gibt’s hier:

www.steve-es.com

www.facebook.com/steveesmusic

www.instagram.com/steveesmusic

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