Hauptschulen: Als schwuler Lehrer unter Muslimen

(Red.) Die Gerichtsurteile rund um das Stadtgymnasium Dortmund (Gaystream berichtete) haben die Diskussion über muslimische Homophobie an Schulen wieder aufleben lassen. Während im Dortmunder Fall mit Daniel Krause ein Gymnasiallehrer im Mittelpunkt stand, wagt sich seit einiger Zeit ein bekennend-schwuler Lehrer einer Hauptschule verstärkt an die Öffentlichkeit.

Klaus KrothKlaus Kroth (46) kommt aus Köln und unterrichtet an dieser gerade im Hinblick auf Homophobie-Aspekte wohl problematischsten aller Schulformen. Wie schätzt er auf Basis seiner Erfahrungen die Lage ein? Gegenüber Gaystream hat er Rede und Antwort gestanden (17.12.2015)

Sie sind Lehrer an einer Hauptschule in einer sehr großen Stadt mit vielen muslimischen Migranten. Ist Homophobie in Ihrer beruflichen Laufbahn schon ein Thema gewesen?

An meiner jetzigen Schule eher nicht. Aber an diese Schule bin ich ja auch gerade deshalb versetzt worden, weil die Probleme mit Homophobie am meiner vorherigen Schule enorm waren. Und diese vorherige Schule war eben auch eine Hauptschule mit vielen muslimischen Migranten. An die Schulleitung wurden anonyme Briefe geschickt mit homophober Hetze gegen mich.

„An der Außenseite meines Klassenraums stand mit Edding geschrieben: „Wir wollen keinen schwulen Arschficker“. Auch Mütter und Vater haben beim Mobbing heftig mitgemacht, die Eltern eines muslimischen Schülers haben gegenüber dem Schulamt behauptet, ich hätte ihren Sohn angebaggert und Werbung für homosexuellen Sex gemacht. Das war eine völlig falsche Behauptung.“

Wie hat die Schulleitung reagiert? Wurden sie gestützt oder fallengelassen wie es mit Daniel Krause in Dortmund der Fall war?

Leider hat die Schulleitung mir selbst die Schuld am homophoben Mobbing gegeben. Der Schulleiter gab mir die Schuld an den entstandenen Konflikten, weil ich mich ja nicht hätte outen müssen.

 Dieses „Argument“ hatte ja auch der umstrittene Dortmunder Schulleiter Bernhard Koolen gegen Daniel Krause angebracht. Warum ist es aus Ihrer Sicht nötig, sich zu „outen“?

 Ich habe nicht gesagt, dass es „nötig“ sei, sich als schwuler Lehrer zu outen. Aber die Schüler haben mich halt gefragt. Und da habe ich die Wahrheit drauf geantwortet. Sonst hätte ich mich ja quasi „verleugnet“, und das wäre nicht mein Stil gewesen. Wenn man sich verleugnet, bestätigt man ja die Haltung der Schüler, dass Homosexualität etwas „Versautes“ sei und versteckt werden müsse.

Demnach ist das skandalöse Dortmunder Stadtgymnasium kein Einzelfall und vielleicht noch nicht mal der „Gipfel des Eisbergs“. Viele ähnliche, vielleicht noch schlimmere Fälle, besonders von Hauptschulen, sind wohl bislang einfach nicht bekannt geworden …

Als die Dortmunder Skandale an die Öffentlichkeit kamen, hatte ich all die benannten Probleme schon längst in noch schlimmerer Form erlebt. Ich kann zwar nicht beurteilen, ob mein damaliger Schulleiter schlimmer war als der Direktor aus Dortmund, denn Letzteren kenne ich nicht persönlich. Aber ich stehe eng mit Daniel Krause in Kontakt und bin mit ihm einig: Das spürbare Ausmaß an Homophobie von Schülern und Eltern war bei ihm am Gymnasium deutlich geringer als das, was ich an meiner vorherigen Hauptschule erlebt habe. Viele Eltern von Hauptschülern, mit denen ich zu tun hatte, halten Homosexualität für „irgendwie verkehrt“. Eine solche Haltung mag zwar durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein, doch selbstverständlich müssen solche Eltern akzeptieren, wenn in der Schule ein anderer Moralkodex  vermittelt wird als zuhause am Küchentisch.

Warum ist also ausgerechnet ein Gymnasium so stark als  Homophobie-Hochburg bundesweit in Verruf geraten? Warum gibt es zum Stadtgymnasium Dortmund in den Medien nicht längst ein ähnlich negatives „Pendant“ unter den Hauptschulen? 

 Dass an Hauptschulen im Durchschnitt viel mehr streng gläubige Muslime vertreten sind als an Gymnasien, ist durchaus anzunehmen. Wenn muslimische Eltern von Hauptschülern jedoch ein Problem mit einem schwulen Lehrer haben, wenden sie sich seltener an die Schulbehörden oder an die Justiz als Eltern von Gymnasiasten dies im Durchschnitt tun würden. Viele muslimische Eltern haben z.B. aufgrund sprachlicher Probleme überhaupt nicht das Selbstbewusstsein, geschweige denn das juristische Know-How, um es auf rechtliche Auseinandersetzungen ankommen zu lassen. Die Eltern an Gymnasien mögen zwar im Durchschnitt weniger homophob sein, doch wenn sie sich doch mal auf einen Lehrer „eingeschossen“ haben, können sie auf mehr sprachliche und finanzielle Ressourcen und somit auf mehr Selbstbewusstsein zurückgreifen als viele Eltern an Hauptschulen.

Zum Netzwerk schwuler Lehrer sagt Kroth:

„Das ist immer schwer, wenn in solchen Netzwerken Lehrer vertreten sind, die vor allem gegen christliche Homophobie engagiert sind. Viele sind sehr stark gegen die katholische Kirche eingestellt, sind aber beim Islam meines Erachtens zu tolerant. Vor lauter Toleranz haben sie dann „Scheuklappen“ und können oder wollen nicht sehen, wie viel Bedrohung vom Islam u.a. für Homosexuelle ausgeht.“

Kann man es also als „Glück im Unglück“ bezeichnen, dass Eltern an Hauptschulen solche Ressourcen verwehrt sind? Können Sie sich hypothetisch eine Situation ausmalen, in der solche Eltern die Möglichkeit hätten, Ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen?

 Für die Hauptschuleltern war und ist es nie deren vorrangiges Ziel, mir das Leben schwer zu machen. Ob ich ein leichtes oder schweres Leben habe, ist für diese Eltern  ziemlich nachrangig. Ihre Energie ist weniger auf mich gerichtet, sondern konsequent auf ihre Kinder und deren „Schutz“ vor allem, was die Eltern „verdorben“ halten. Sie haben eher wirklich Angst davor, dass ihre Kinder von Schwulen unterrichtet und dadurch irgendwie versaut werden. Überhaupt überlegt man eben fast nie sehr gut im Hauptschulmilieu. Das Gegenteil ist der Fall: man handelt eher aus dem Bauchgefühl heraus!

Im Falle von Daniel Krause war nicht nur die Schulleitung, sondern auch die Bezirksregierung als Schulbehörde aus Toleranz gegenüber dem Islam äußerst ignorant gegenüber dem Homophobie-Problem. Wie reagierte die Schulbehörde in Ihrem Fall?

 Bei mir hat die Schulbehörde sich durchaus vorbildlich verhalten. Ich wurde quasi in meinem „Recht“ bestärkt, mich in der Schule zu „outen“. Man hat mich an eine andere, also an meine jetzige Hauptschule versetzt. Dort können zwar auch mal homophobe Sprüche von Schülern kommen, und auch deren Eltern sind teils sehr streng-muslimisch. Aber die Lage ist insgesamt besser als an der vorherigen Schule, und die aktuelle Schulleitung ist mir bezüglich Homosexualität nie in den Rücken gefallen ist. Das war ganz anders als bei dem alten Schulleiter, dessen Verhalten die Schüler und Eltern ja noch zum homophoben Mobbing  indirekt „ermutigt“ hatte.

Dass Sie von der Schulbehörde und Ihrer jetzigen Schulleitung unterstützt werden, heißt natürlich nicht, dass die Schüler- und Elternklientel automatisch weniger homophob geworden ist. Wie ist Ihre Einschätzung hinsichtlich der aktuellen Entwicklung?

Es gibt an der Lebens- und Wertewelt vieler Schüler einiges an Punkten, was mich bedenklich stimmt. Viele leben nach dem Koran und wollen den Inhalt und die Lehren des Propheten Mohammed nicht hinterfragen. Diese Kritiklosigkeit gegenüber Allahs Geboten prägt einen Großteil des Denkens und des Lebens. Hier ist Homophobie wiederum nur ein Problem von vielen.

„Gerade angesichts der sich zuspitzenden Nahost-Problematik ist Israelhass und Antisemitismus zunehmend verbreitet. „Jude“ und „Schwuler“ werden immer mal wieder gerne als Schimpfwort benutzt.“

Um dem entgegenzuwirken, besuchen wir innerhalb eines sog. „Interkulturellen Projektes“ ein christliches Bibelhaus, eine Moschee und ein jüdisches Museum, jährlich unternehmen wir eine Studienfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, wo auch die Verfolgung von Homosexuellen und Juden im Dritten Reich thematisiert werden. Hier setze ich, teils auch in meiner Freizeit über soziale Medien, viel daran, mit meinen Schülern zu diskutieren und Aufklärung zu versuchen. Als Schwuler ist Israel für mich das einzige Land im Nahen Osten, in dem ich keine drakonischen Strafen befürchten muss, wenn ich mich oute.

 Haben Sie den Eindruck, dass Sie mit diesen Diskussionen etwas erreichen können?

 Es mag immer einen Versuch wert sein. Doch die Schüler stehen ja weiterhin unter dem Einfluss ihrer Familien, arabischer Fernsehsender oder auch Koranschulen. Da ist man als Lehrer in seinem Einfluss begrenzt.

 Sie hatten sich auch in bundesweit organisierten Netzwerken schwuler Lehrer engagiert. Kann man sich da nicht zusammentun, um Probleme mit dem Islam an Schulen gemeinsam öffentlich zu machen?

Das ist immer dann schwer, wenn in solchen Netzwerken Lehrer vertreten sind, die vor allem gegen christliche Homophobie engagiert sind. Viele sind sehr stark gegen die katholische Kirche eingestellt, sind aber beim Islam meines Erachtens zu tolerant. Vor lauter Toleranz haben sie dann „Scheuklappen“ und können oder wollen nicht sehen, wie viel Bedrohung vom Islam u.a. für Homosexuelle ausgeht.

***

Der Text wurde hier erstveröffentlicht: http://www.gaystream.info/#!Hauptschulen-Als-schwuler-Lehrer-unter-Muslimen/cjds/56727b1f0cf2fb0fe5b1da03

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Ein Gedanke zu “Hauptschulen: Als schwuler Lehrer unter Muslimen

  1. Ein sehr aufschlussreicher Kommentar wie ich finde, insbesondere der letzte Satz trifft die Wahrheit im Kern und das Hauptproblem des LGBT-Aktivismus im Jahre 2016 in Deutschland:

    „Das ist immer dann schwer, wenn in solchen Netzwerken Lehrer vertreten sind, die vor allem gegen christliche Homophobie engagiert sind. Viele sind sehr stark gegen die katholische Kirche eingestellt, sind aber beim Islam meines Erachtens zu tolerant. Vor lauter Toleranz haben sie dann „Scheuklappen“ und können oder wollen nicht sehen, wie viel Bedrohung vom Islam u.a. für Homosexuelle ausgeht.“

    — > Seit Jahren wird auch im LSVD vom Bundesvorstand das Thema „Homophobie unter Muslimen“ gemieden. Ich kann mich noch an ein Gespräch mit dem SPD-Aktivisten Manfred Bruns zurückerinnern, wo er mir erzählte, er sei Agnostiker und als solcher müsse er einmal der Organisation „Homosexuelle und Kirche“ Dampf machen, weil dort die Leute in ihrem Aktivismus kurz „vor dem Einschlafen“ seien.

    Das aber gerade die Organisation HuK viel erreicht hat und es eine Reihe von christlichen Kirchen im Jahre 2016 mit kirchlichen Trauungen oder Segnungsgottesdiensten gibt, das war nie auch nur weder dem SPD-Aktivisten Manfred Bruns noch sonst einem LSVD-Bundesvorstandsmitglied auf den Jahreshauptversammlungen eine Meldung wert. Dafür wurde umso lieber, gern auf die Katholische Kirchenleitung und deren Stellung „herumgehackt“ und dies in Privatgesprächen „pausenlos“ thematisiert. Spricht man das Thema „Homophobie im Islam“ beim LSVD an, wird dies Thema hingegen wegdiskutiert und weggemobbt, wie ich auf der letzten Jahreshauptversammlung des LSVD erleben durfte.

    —–

    Ähnlich ist es bei dem linken Internetportal von Queer.de seit Jahren zu lesen: gegen die Katholische Kirche, den Papst und auch die Landeskirchen der EKD wird gern ein negativer Artikel nach dem nächsten seit Jahren von der Queer-Redaktion verfasst; wenn in einer einzelnen Kirchengemeinde einmal ein lesbisches Paar keine kirchliche Trauung erhält, dann bekommt dies bei Queer.de sofort einen Negativartikel (http://www.queer.de/detail.php?article_id=26536) ; aber noch nie erschien auf dem linken Internetportal der Queer auch nur ein positiver Artikel, zu den vielen kirchlichen Trauungen oder Segnungsgottesdiensten christlicher homosexueller Paare, die in den Landeskirchen vor dem Altar bereits kirchlich sich getraut haben und einen Segnungsgottesdienst erhalten haben. Noch nie gab es dort eine Homestory oder dergleichen zu einem glücklichen christlichen Paar, das in einer Landeskirche der EKD eine Trauung oder einen Segnungsgottesdienst erhielt.

    Auch agiert die linke Queerredaktion in ihrem Forum durch die Redakteure selbst mit verschiedenen Nicks, um der Queer den „Anschein“ zu geben, als wenn dort viel mehr Autoren schreiben würden, dabei schreiben dort allenfalls fünf bis maximal zehn Leute überhaupt im Forum. Und die Queer ist sich auch nicht zu schade, jede Form von „Verarschung“ und „Verballhornung“ der Katholischen Kirche oder anderer christlicher Kirchen im Queer-Forum freizuschalten, um so linken Atheisten Freiraum zu geben und den Anschein zu erwecken, dass Christen „doof“ und „blöd“ seien; und wenn ein Beitrag eines Christen im Queerforum nicht in „ihre linkes ideologisches Konzept“ passt, wird es auch oft nicht freigeschaltet.

    Zudem fällt bei den linken Redakteuren der Queer auf, dass Sie Rückendeckung vom Presseverantworltichen Markus Ulrich beim LSVD erhalten, der ständig Artikel der linken Queer beim LSVD-Portal im Pressespiegel verlinkt; dies ist erst seit Ulrich der Fall, denn früher wurde die Queer dort nicht verlinkt.

    Fazit: Daniel Krause hat vollkommen Recht mit der Analyse, dass bei vielen Aktivisten in LGBT-Organisationen gern auf das Christentum „draufgeschlagen“ wird (Ausnahme: die Organisation „Homosexuele und Kirche“), aber beim Islam wird geschwiegen. Dazu könnte ich jede Menge weiterer Beispiele nennen, die diese Erfahrung von Klaus Kroth zu LGBT-Organisationen bestätigen. Zum Verband schwuler Lehrer kann ich zwar nichts hierzu bestätigen, aber in bezug auf den LSVD und das linke Internetportal Queer.de ist dies auf jeden Fall so.

    Eine Reihe von LGBT-Organisationen sind von Aktivisten aus dem linken Spektrum geprägt und diese haben „ihren Spaß“ daran, die Katholische Kirche zu attackieren und würden es gern auch bei den Landeskirchen der EKD machen, nur das sie dort mit der Zulassung kirchlicher Trauungen/Segnungsgottesdienste in den Landeskirchen der EKD Ihre Angriffsfläche verloren haben, was sie im Inneren „ärgert“, denn in Wahrheit wollen sie atheistische/agnostisiche Sichtweisen durch diese Attacken stärken. Der Homophobievorwurf gegen das Christentum wird „genutzt“ um Atheismus und Agnostizismus zu verbreiten. Und das genau diese Personen dann aber in bezug auf den Islam schweigen und hier sogar Islamkritiker angreifen, ist der eigentliche Skandal in der LGBT-Bewegung seit Jahren, denn vom real existierenden Islam gehen viel höhere Bedrohungen für homosexuelle Menschen aus. Mich wundert es schon seit Jahren, das genau die Personen, die bei der Katholischen Kirche „am lautesten“ schreien und den Vatikan angreifen, beim der Islamkritik auf einmal schweigen und sich nicht zu Wort melden.

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