Alles andere als paradiesisch

Im Zusammenhang mit dem Massaker von Orlando in einem Homoclub werden einschlägige Szenetreffpunkte von queeren Schreibern bei der „Süddeutschen“ & Co zum Paradies auf Erden glorifiziert. Hier könne jeder sein, wie er wolle, er werde vorbehaltlos respektiert. Wie sieht es dort tatsächlich aus? David Berger, einer der die Gay-Szene weltweit seit mehr als 25 Jahren beobachtet, fragt nach.

La demence kreuzfahrt (c) David Berger

Glaubt man jüngeren Kommentaren queerer Schreiber, so scheint es keinen besseren Ort hier auf Erden zu geben als einen Homo-Club – oder besser queeren Club. So schreibt eine Carolin Emke in der „Süddeutschen“ zu Orlando:

 „Deswegen sind Clubs wie das Pulse in Orlando nicht einfach nur Clubs. Es sind Orte, an denen niemand Angst zu haben braucht. Es sind Orte, an denen sich alle richtig fühlen können – und vor allem sicher. Es sind die Stunden und die Nächte in Clubs wie dem Pulse, in denen sich aufatmen lässt, in denen es sich endlich frei und unbeschwert anfühlt, weil es nichts Besonderes ist, als wer oder wie wir lieben wollen. Hier dürfen alle sein, was sie sein wollen und mit wem: alle Fantasien, alle Körper, jede Hautfarbe, jedes Alter, jeder Glaube darf sich hier zeigen. Die Unterschiede, die sonst zählen, draußen oder auf dem Papier, sind an diesen Orten nicht relevant …“

 „Das Problem beim Träumen von der heilen Welt des Gay-Clubs: wenn die Wirkung der Drogen nachlässt, sind Handy und Geldbeutel weg“

 Die Beschreibung erinnert stark an Beschreibungen der himmlischen Herrlichkeit wie sie uns Volkstheologen des Spätmittelalters bieten: Ohne Unterschied des Standes, der Herkunft und des Kontostandes sind alle einfach nur glücklich und lieben sich ohne Ende – denn die göttliche Tugend der Liebe ist dann das einzige, was bis ins Unendliche steigen kann. Die Beschreibung dürfte auch uns Gegenwärtigen geläufig sein: ein paar Pillen geworfen und dazu eine Pipette GHB (um nur mal die beliebtesten Drogen in solchen Clubs zu erwähnen) getrunken, wirkt auf einmal alles unglaublich wunderbar. Man möchte alle umarmen, lieben – und mag sich selbst und seinen Sex auf einmal auch.

Das Problem dabei: wenn die Wirkung der Drogen nachlässt, sind Handy und Geldbeutel weg, in den kommenden Tagen machen unter den Bekannten Fotos, in denen man sich rüde im „Spielzimmer“ des Clubs (beruhigter Gastraum) von völlig unbekannten Herren jeden Alters penetrieren lässt, die Runde. Und der auf Schwule spezialisierte Hausarzt erklärt einem eine Woche später, woher das Brennen beim Wasserlassen kommt.

Der Homoclub als Oase des Richtigfühlens, der Sicherheit und des gegenseitigen Respekts?

Nicht nur diese immer wieder neu erlebten Fakten zeigen, wie stark sich da eine lesbische Frau etwas zusammen phantasiert, die Gay-Clubs offensichtlich nur von deren Werbeanzeigen in den kostenlosen Szeneblättchen kennt …

Auch andere Kommentare Schwuler zu der auf einmal all überall beschworenen mitmenschlichen Queer-Oase, zeigen, wie deutlich hier die SZ und andere Medien bzw. die queeren Publizisten hier mit Falschinformationen arbeiten. Und zwar so übertrieben, dass man annehmen könnte, ihre Äußerungen wären Zynismus – wenn man nicht besser wüsste, dass das sowohl Autor wie Leser überfordern würde.

 „Wer wissen will, was Dummheit, Machtgier, Egomanie, Bosheit, Intriganz und Niedertracht sind, der muss nur in die Berliner Schwulenszene eintauchen und es darin ein Jahr ohne harte Drogen und Alkohol aushalten“

Dabei sind diese alles anderen als wirklich himmlischen Zustände im Homoclub nur eine Widerspiegelung der Atmosphäre, die generell in den Schwulenszenen herrscht. Ein Kommentator auf Tichys-Einblick hat diese für Berlin sehr treffend und schonungslos beschrieben:

„Wer wissen will, was Dummheit, Machtgier, Egomanie, Bosheit, Intriganz und Niedertracht sind, der muss nur in die Berliner Schwulenszene eintauchen und es darin ein Jahr ohne harte Drogen und Alkohol aushalten. Gegen die Sorte völlig gnaden- und rücksichtslosen Körper- und Schönheitskult als oberstem Dogma allen Seins, gegen die Art abgründigster, bösartigster Ränke und Hinterlist, die dort in weiten Teilen gegeneinander an der Tagesordnung sind, erscheint jedes Schlangennest wie ein heimeliges, niedliches, kleines Paradies.

Und wer es wagt, in dieser Berliner Szene kritische Worte gegen den von einer (tatsächlich relativ kleinen) Minderheit vertretenen linken bis linksradikalen Mainstream zu äußern wird von den selbsternannten Herr*innen des schwulen Meinungsdiktats mit einer Gnadenlosigkeit niedergemacht, die ich inzwischen als eindeutig totalitär bezeichnen würde. Siehe die Sache mit dem moralinsauren Ausschluss der AfD vom Straßenfest. Die Homos sind inzwischen genauso dogmatisch wie die Katholiken, das hätte man vor 20 Jahren auch nicht zu träumen gewagt …

Wahrscheinlich gibt es beim CSD dies Jahr bewegende Ansprachen gegen Islamophobie, die, wie man ja bitte als anständige Schwuchtel gefälligst zu wissen hat, völlig unbegründet ist, so wie ja auch sonst im Leben nix mit nix zu tun hat. Und danach werden dann sehr strenge Warnungen vor der enormen rechten Gefahr im Land verkündet, gegen die bitteschön alle kämpfen müssen. Ich möchte dann bitte speien dürfen, frei nach Liebermann. Insofern ist die Szene auch nur ein stark komprimiertes Spiegelbild der inzwischen allzu oft eher garstigen Zustände in der Mehrheitsgesellschaft.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

(c) Foto: David Berger

Lesetipp: André Marc Schneider auf Vivasanpictures ->  https://vivasvanpictures.wordpress.com/2013/06/25/25-juni-2013/

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